Wie arbeiten wir auf Social Media? Teil 2 von 5: Content
Tausende Euro für den Messestand, aber auf Social Media herrscht komplette Funkstille? Warum viele KMU bei der Content-Erstellung blockieren, wie das Prinzip „Dokumentieren statt Kreieren“ den Druck rausnimmt und warum euer Team selbst entscheiden sollte, auf welcher Plattform ihr startet.
Im ersten Teil unserer Serie haben wir geklärt, warum wir das digitale Megafon weglegen müssen und eine echte Strategie im Team beginnt. Doch wenn die Strategie steht, folgt oft die nächste Hürde: Die Umsetzung. Plötzlich herrscht Schreibblockade. Der Mythos, man brauche ein Filmstudio und hochglanzpolierte Werbetexte, hält sich hartnäckig. Nirgendwo wird das so deutlich wie beim Thema Messe.
Das Messestand-Paradoxon
Stellt euch folgende Situation vor: Die Geschäftsführerin gibt ein Budget von 30.000 Euro für den nächsten großen Messeauftritt frei. Ein fantastischer Stand wird designt, teures Catering bestellt, Broschüren werden gedruckt. Das Team steht drei Tage lang hochmotiviert in der Halle. Und auf Social Media? Kompletter Totalausfall. Kein Foto, kein Beitrag, gar nichts.
Warum passiert das? Weil das Team glaubt, Social Media müsse genauso perfekt inszeniert sein wie der teure Messestand selbst. Die Angst vor Imperfektion blockiert. Die Entwicklerin traut sich nicht, ein schnelles Foto zu posten, weil sie denkt, es sei nicht „professionell“ genug. Der Monteur behält sein Smartphone in der Tasche, weil das Licht in der Halle nicht optimal ist.
Dokumentieren statt Kreieren
Die Lösung für dieses Problem ist ein radikaler Paradigmenwechsel: Wir müssen aufhören zu kreieren und anfangen zu dokumentieren.
Niemand auf Social Media will glattgebügelte Werbevideos sehen, die von einer Agentur produziert wurden. Die Menschen wollen Menschen sehen. Ein leicht verwackeltes Foto vom chaotischen Aufbau des Messestands am Abend vorher, begleitet von einem ehrlichen Satz wie „Noch zwei Stunden bis zur Eröffnung, der Kaffee rettet uns gerade das Leben“ – das ist der Content, der Reichweite und Sympathie bringt. Das normale Dienst-Smartphone reicht dafür völlig aus. Ihr müsst euch keine Geschichten ausdenken; euer Arbeitsalltag schreibt sie bereits.
Welche Plattform? Lasst das Team entscheiden!
Oft scheitert die Content-Produktion auch daran, dass das Netzwerk von oben diktiert wird. Wenn der Inhaber verkündet: „Wir machen jetzt alle LinkedIn“, das Team aber eigentlich gar keinen Bezug dazu hat, wird das Projekt im Sande verlaufen.
Hier kommt wieder das INQA-Prinzip ins Spiel: Wir binden die Belegschaft aktiv ein. Im geschützten Raum unseres Lab-Teams gewöhnen wir die Mitarbeitenden an die neuen Abläufe. Wir fragen nicht: „Was sollen wir auf LinkedIn posten?“, sondern: „Worauf habt ihr eigentlich Lust?“
Vielleicht haben die jüngeren Kolleginnen und Kollegen aus der Fertigung großen Spaß daran, kurze, humorvolle TikTok-Videos über ihre Arbeit zu drehen. Vielleicht fotografiert der Ausbilder lieber kleine Details für Instagram. Das Interesse des Teams bestimmt die Plattform. Wenn die Belegschaft das Medium wählt, zu dem sie selbst Zustimmung signalisiert, fließt der Content fast von alleine.
Ausprobieren mit dem INQA-Coaching
Dieser Prozess des gemeinsamen Ausprobierens erfordert Vertrauen und eine gute Moderation. Das INQA-Coaching bietet kleinen und mittleren Unternehmen genau dafür den geförderten Rahmen (bis zu 80 Prozent Kostenübernahme). Es unterstützt euch dabei, eine Fehlerkultur aufzubauen, in der das Team einfach mal machen darf, ohne Angst vor der Reaktion der Chefetage haben zu müssen. Wie wir diesen kreativen Prozess dann so strukturieren, dass er nicht im Chaos endet, sondern agil im Alltag funktioniert, klären wir im nächsten Teil unserer Serie.